Mehrwohnungshaus Stangenbrunnen

Architektur: Wolfgang Ritsch
Mitarbeit Architektur: Gerold Schrack
Ort: Stangenbrunnen 2, Ochsenfurt, Deutschland
Bauherrschaft: SWG – Städtische Wohnungsgesellschaft mbH Ochsenfurt
Funktion: Mehrfamilienhaus

1. Der Ort: Das Grundstück an der Bärentalstrasse im östlichen Teil von Ochsenfurt ist durch Wohnbauten der 50er und 60er Jahre charakterisiert.
Die bewaldete Hügelkuppe im Süden, die Bahnlinie und Schnellstrasse im Norden sowie eine bewegte Topografie mit einem Entwässerungsgraben sind weitere Merkmale.
Ausgehend vom Konzept einer möglichst guten Besonnung der zukünftigen Wohnungen ohne Beeinträchtigung der bestehenden Nachbargebäude, wurde die Gebäudestruktur als ein leicht geknickter, polygonaler Baukörper entwickelt. Aus den funktioneller Erfordernissen ergeben sich drei wesentliche Zonen. Die Wohnzone nach Südosten im nördlichen Bereich, die Wohnzone nach Südwesten im südlichen Bereich, und die Nebenräume und Parkierung im Hanggeschoss. Die umlaufenden, differenzierten Balkon- und Laubengangzonen bilden eine Art Filterzone zu den benachbarten Wohnbauten. Das flach geneigte Walmdach soll sich auf eine zeitgemäße Art in die historische Bebauungsstruktur einfügen.

2. Die Konzeptidee: Flexibel gestaltbare Plattformen mit optimaler Wohnungsorientierung sind die bestimmende Entwurfsidee.
Die umlaufende Balkon- und Laubengangzone ermöglicht eine freie Gestaltung der Fassaden in vorgefertigter Leichtbauweise. Verschiebbare Sonnenschutzelemente bilden eine räumliche Gliederung und Differenzierung.
Die horizontalen und vertikalen Verbindungen in Kombination mit dem offenen Hanggeschoss strukturieren das Gebäude und ermöglichen rasche Wegverbindungen durch das Gebäude in alle Richtungen.

3. Die Raumfunktionen
Das Untergeschoss/Hanggeschoss beinhaltet die offenen Fahrzeugstellplätze, einen Fahrradraum, einen Heiz-/ Technikraum sowie Kellerabteile und Müllraum. Durch die offene Anordnung der Stellplätze ist hier eine Doppelnutzung möglich. Für Veranstaltungen und Gemeinschaftsaktionen kann diese Zone auch genutzt werden.
Die Wohnungen sind in zwei Gruppen jeweils nach Südwesten bzw. nach Südosten angeordnet. Bei einem Großteil der Wohnungen werden die Ecksituationen für Balkone und Sitzplätze genutzt.
Durch die Flexibilität der Außenwände und der Wohnungsgrößen können statt der 2-Zimmer-Wohnungen eine 4-Zimmer-Wohnung oder auch andere Wohnungstypologien in die bestehende statische Struktur eingefügt werden.


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Endenergiebedarf: 12,40 kWH/m²a
Primärenergiebedarf QP: 33,50 kWH/m²a
Unterschreitung QP: -70,30 %  (EnEV 2009)
Transmissionswärmeverlust HT: 0,16 W/m²K
Unterschreitung HT: -68,00 % (EnEV 2009)
Heizung: Erdsonde / Gasbrennwertkessel
Lüftung:
Kontrollierte Wohnraumlüftung (dezentral) mit Wärmerückgewinnung

Besonderheiten: Flexible Grundrissstruktur / Installationsstützen für freie Anschlussmöglichkeiten für Installationen

Publiziert in:
Energieeffizienter Wohnungsbau – Wohnmodelle Bayern – nachhaltig sozial zukunftsorientiert, 2014
Flexibilität und Nachhaltigkeit S. 185 -195
ISBN 978-3-7667-2121-1